Holz fällen wie die Vorfahren

25.01.2022

Eine besondere Aktion


Am vergangenen Samstag trafen sich Mitglieder der drei Muheim-Generationen am Widenbach, der durch den Bühlhof fliesst. Bauer Christian hatte eingeladen, beim Holzen zuzuschauen bzw. anzupacken. Nachdem er in seiner Ausbildung zum Landwirt einen entsprechenden Kurs belegt hat, darf er selbst Bäume fällen.

Das sollte so passieren, wie die Vorfahren es gemacht haben: mit Axt und einer Handwaldsäge, die es auf dem Hof noch gibt. Senior-Bauer Sepp dazu: «Mein Vater und ich haben viele Bäume mit reiner Muskelkraft gefällt und zersägt. Zuerst mit einer so genannten Spitzwinkelzahnsäge. Dann erbte ich vor 60 Jahren von meinem Götti diese bedeutend effizientere Hobelzahnsäge.» Wie man damit Bäume fällt, zeigte er dann einmal dem jungen Christian. Und dieser wollte es nun den heutigen Kindern nicht vorenthalten.

Für diese Aktion ausgesucht war eine Fichte. Der Förster hatte sie zum Holzschlag angezeichnet, für eine Waldrandaufwertung im Rahmen eines Vernetzungsprojekts der Luzerner Seegemeinden. Dessen Ziel ist, durch das Pflegen und Aufwerten der Kulturlandschaft die Biodiversität zu fördern.

Christian macht seit dem Projektbeginn vor rund zehn Jahren mit: «Für den Schutz bestimmter Pflanzen und Tiere ist es wichtig, dass genügend Licht auf die unteren Sträucher und den Boden gelangt. Daher werden ganz gezielt einzelne Bäume gefällt, während andere stehen bleiben. Die Baumstrünke lässt man dabei extra hoch, damit es mehr Totholz gibt. Zudem werden Dornensträucher gefördert, und wir platzieren grosse Asthaufen, die Tieren Unterschlupf bieten.»

So ging es am Samstag in abwechselnden Zweierteams also los mit dem Betätigen der alten Handsäge. Der Muskelkater nach dieser ungewohnten Arbeit war bei den meisten vorprogrammiert. Auch der 80-jährige Sepp liess es sich nicht nehmen, Hand anzulegen.  

Nach einer guten Stunde und dem Einsatz der Axt war es schliesslich so weit, und die Fichte fiel wie geplant (nebenbei war die Aktion für die Teilnehmenden eine Lektion in Sachen Arbeitssicherheit …).

Jetzt begann das Jahrringe-Zählen und Messen. Zuvor hatten alle eine Schätzung abgegeben, und es zeigte sich: Der Baum war über 110 Jahre alt, 33,7 Meter hoch und hatte einen Stammumfang von 2,46 Metern.

«Am nächsten lag ein Neffe von mir», berichtet Christian. «Der Baum muss etwa den Jahrgang meines Grossvaters haben: 1907. Gezählt haben wir am Strunk. Der Keimling wird einige Jahre gebraucht haben, bis er seine Höhe erreichte. Bis Mitte der 1940er-Jahre gibt es nur kleine Jahrringe.» Da habe der Baum vermutlich durch einen Holzschlag mehr Licht erhalten und entsprechend gedeihen können.

Was passiert mit dem Holz des Baumes? Christian, der neben Landwirt Schreiner ist: «Weil dieser Waldrandbaum sehr dicke und viele Äste hat, ist er kaum zum Schreinern geeignet. Vielleicht mache ich Gerüstläden oder Kantholz daraus, oder es kommt alles in unsere Stückholzheizung. Zuerst säge ich alle Äste weg, dann sehe ich es.» Und er betont: «Den Wald als CO2-neutralen Rohstoff- und Energieträger zu nutzen, ist auch für das Klima sinnvoll.»

Der Neffe mit der genauesten Schätzung hat eine Tafel Schokolade bekommen. Und alle Teilnehmenden wurden mit einem besonders schönen Pilatus in Abendstimmung belohnt am Schluss dieser gelungenen Familienaktion: «Sie hat uns mit den Vorfahren verbunden.»